Volksstimme Halberstadt


Geb�hrenerlass f�r Halberstadts Gastronomen?
Halberstadt l Die Stadtratsfraktion SPD/Bündnis 90/Die Grünen war der Zeit ein Stück voraus, als sie Anfang 2020 noch vor Ausbruch der Corona-Pandemie dem Stadtparlament Halberstadt einen besonderen Antrag vorlegte. Die Abgeordneten fordern darin, allen gastronomischen Einrichtungen im Stadtgebiet auf Antrag die Gebühren für das Aufstellen von Außenmobiliar für die Dauer von zunächst fünf Jahren zu erlassen. Hintergrund für diesen Antrag war ursprünglich, dass im Zuge der Fortschreibung des Einzelhandelkonzeptes aufgezeigt wurde, dass sich die Bürger eine Belebung der Aufenthaltsqualität in Halberstadt wünschen. Jetzt ist es noch dazu eine finanzielle Entlastung der Gastronomen in Coronazeiten. Damit sich die Investitionen für den Kauf hochwertiger Stadtmöbel für die Gastronomen rechnen, sei dieser lange Zeitraum von fünf Jahren notwendig, heißt es im Antrag von SPD/Bündnis 90/Die Grünen. Mitte März mussten die Gaststätten dann zur Eindämmung des Coronavirus schließen. Viele Unternehmen bewegen sich seitdem wirtschaftlich am Abgrund. In dieser Situation gewinnt der Antrag auf Gebührenerlass, der am 4. Juni dem Stadtrat zum Beschluss vorliegt, an Aktualität. Am Dienstag diskutierte der Ordnungsausschuss über das Thema. Frauke Weiß (CDU) wollte wissen, wie hoch der finanzielle Verlust für die Stadtkasse ausfallen würde. „Im Jahr nehmen wir etwa 6500 Euro für Aufstellgenehmigungen ein. Auf fünf Jahre gerechnet würden der Stadt Halberstadt Einnahmen in Höhe von etwa 32.500 Euro verloren gehen“, antwortete Ordnungsamtsleiter Ralf Fleischhauer. Daraufhin präsentierte Frauke Weiß einen Änderungsantrag, der das Votum der Fraktion CDU/EWG widerspiegeln würde. „Wir schlagen vor, den Gebührenerlass erst einmal auf drei Jahre festzusetzen. Dann kann man erneut entscheiden“, so die Christdemokratin. Schließlich seien mehr als 32.000 Euro kein Pappenstiel. Die Haushaltslage sei angespannt und werde angesichts der Corona-Pandemie und den damit zu erwartenden Mindereinnahmen nicht besser, gab sie zu bedenken. Marlies Jehrke (Die Linke) plädierte angesichts der einbrechenden Einnahmen ebenfalls, mit Augenmaß zu handeln. „Alles nur für lau anzubieten ist eine Kette ohne Ende. Daher bin ich dafür, den Gebührenerlass nur auf 2020 zu beschränken.“ Mario Dill (Buko/FDP/Freie Wähler): „Die Innenstadt zu beleben ist richtig. Das muss aber in vernünftige Bahnen gelenkt werden.“ Wenn der Gebührenerlass dazu beiträgt, den Breiten Weg attraktiver zu gestalten und ihn zu beleben, sei das ein unterstützenswerter Weg. Nur pauschal ja zu sagen sei sicher falsch. Denis Schmid (Buko/FDP/Freie Wähler) wollte wissen, wie der Erlass umgesetzt werden soll. „Jeder Gastwirt muss dafür einen Antrag stellen. Dann prüfen wir ihn, ob durch das Aufstellen von Außenmöbeln Rettungswege nicht beeinträchtigt werden“, erklärte Ralf Fleischhauer. Er habe sich bei Nachbarstädten informiert, wie sie mit dem Thema Gebührenerlass für das Aufstellen von Außenmöbeln umgehen. Im Harzkreis würden nur die Städte Thale und Blankenburg ebenfalls darauf verzichten. Mehr noch: Um Gastwirte zu motivieren, die Außengastronomie zu beleben, gehen die Thalenser seit 2018 sogar einen Schritt weiter: In einigen Straßenzügen im Innenstadtbereich gibt es seither eine „Minus-Gebühr“. Soll heißen: Für Ladenbesitzer entfällt die Gebühr nicht nur, sie erhalten jährlich als Motivation, die Stadt mittels Außenbestuhlung zu beleben, sogar 20 Euro aus der Stadtkasse. Gastronomen wie Einzelhändler nähmen dieses „Geschenk“ sehr positiv auf, der Zuspruch sei gut, so Bürgermeister Thomas Balcerowski (CDU). „Wir haben einige Händler, die daraufhin beispielsweise eine Sitzbank vor ihr Geschäft gestellt haben – genau das war die Absicht.“ Vor diesem Hintergrund sei die betreffende Satzung erst in dieser Woche fortgeschrieben und das Satzungsgebiet nach den Wünschen von Händlern um einige Straßenzüge erweitert worden. Zurück nach Halberstadt: Der Ordnungsausschuss des Stadtrates plädierte mit einer Nein-Stimme mehrheitlich für den Änderungsantrag der CDU-Fraktion und empfiehlt, den Gebührenerlass für das Aufstellen von Außenmöbeln vor gastronomischen Betrieben erst mal auf drei Jahre zu beschränken. Der Beschluss samt ­Änderungsantrag steht am Donnerstag, 4. Juni, im Stadtrat zur Diskussion und Beschlussfassung.
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Tiergarten Halberstadt im Aufbruch
Halberstadt l Ein neuer Bewohner ist immer Grund zur Freude im Tiergarten Halberstadt. Und so wurde auch das kleine Hengstfohlen von Ponystute Loona nicht nur von den Mitarbeitern liebevoll begrüßt, auch die Besucher bleiben gerne stehen und beobachten Mutter und Kind. „Die ersten Tierpaten haben sich bereits angemeldet“, berichtet Zooinspektor Michael Bussenius, „da steht einem glücklichen Ponyleben wohl nichts im Wege.“ Die Ponys haben ihr Areal dort, wo sich in den kommenden Jahren eine Bauernhofanlage entwickeln soll, wie Tiergartenleiter David Neubert berichtet. Die Einrichtung wolle in Sachen Umweltbildung mehr anbieten, vor allem Kindern zeigen, woher die Produkte stammen, die unser Leben ermöglichen. „Weil wir für einen echten Bauernhof aber dann trotz unserer zehn Hektar großen Fläche zu wenig Platz haben, werden wir Tiere im Miniformat auf der Hofanlage haben“, kündigt Neubert an. Der Bauernhof ist ein Bestandteil eines Entwicklungskonzeptes, das der neue Chef der Einrichtung erarbeitet hat. „Und das sich immer wieder ändert“, wie er schmunzelnd zugibt. Aber die Grundsätze stehen, nach wie vor treu bleiben will sich die Einrichtung mit ihren Ansatz, den Menschen engen Kontakt zu Tieren zu ermöglichen. Das lockt Besucher in die Einrichtung, die sich an die Hänge der Spiegelsberge schmiegt. 1960 wurde der Heimattiergarten gegründet. Nimmt man die im 18. Jahrhundert existierende Fasanerie hinter dem sogenannten Pächterhaus des Gutshofes Spiegelsberge, blickt die Einrichtung sogar auf mehr Historie zurück als auf die vergangenen 60 Jahre. So finden sich im Areal auch Relikte der Parkgeschichte wie der zum ehemaligen Schießhaus gehörende Höhlendurchgang. Das Schießhaus war im Zuge der von Freiherr Spiegel beauftragten Umgestaltung der damals unbewaldeten Kattfußberge zu einem Landschaftspark errichtet worden. Diese Baureste stehen unter Denkmalschutz – wie die gesamte Tiergartenanlage. Das macht Neu- und Umbaupläne der in Jahre gekommenen Gehege und Volieren nicht einfacher. Bedarf es doch für jedes Vorhaben auch einer denkmalpflegerischen Genehmigung. Aber diese Absprachen gehören eben dazu, die Zielstellung des Konzepts beeinflusst diese Besonderheit kaum. „Wir wollen in den kommenden 20 Jahren wieder mehr Tierarten hier präsentieren“, sagt David Neubert. So sollen auf dem geplanten kleinen Bauernhof spätestens ab 2022 nicht nur Alpakas und Schafe zeigen, woher die Wolle kommt. Mit kleinen Rinderrassen wie dem Dexterrind kann Milch- und Fleischherkunft erklärt werden, ebenso wie mit den geplanten Kunekune Schwein oder dem Göttinger Minischwein. „Welche Art es dann genau wird, müssen wir sehen“, sagt Neubert. Wichtig sei, dass die Anlage zum Teil begehbar ist, um den Tieren ganz nah sein zu können. Mit Laufenten und Zwerghühnern soll die Eierproduktion verdeutlicht werden. Und da hat der Biologe auch eine mögliche Brutstation im Plan, die sich im noch umzubauenden Stallgebäude ebenso finden soll wie Übernachtungsangebote für Fledermäuse auf dem leeren Dachboden. Mit der Brutanlage könne man die Entwicklung vom Ei zum Huhn anschaulich zu machen. Auch die Shetlandponys gehören zur geplanten Hofanlage, waren doch selbst die kleinen Pferde als Zugtiere im Einsatz. Mit der tierischen Seite der Landwirtschaft sind die Umweltbildungsziele aber beileibe nicht abgedeckt. Dem Biologen liegen auch kleine Tiere am Herze wie Insekten. So sieht sein Konzept für die nächsten 20 Jahre auch eine Veränderung im Tierbestand an sich vor. Nicht nur, weil viele der zurzeit in der Einrichtung lebenden 600 Tiere aus 250 Arten selbst in die Jahre gekommen sind. „Nach und nach stehen wir ohnehin vor der Aufgabe, den Bestand zu verjüngen“, sagt Neubert, der auch eine Ausbildung als Jäger und Falkner vorzuweisen hat sowie Grundlagen der Forstwirtschaft studierte, bevor er ganz ins Biologiestudium wechselte. Dabei entdeckte er, wie spannend die Insektenwelt ist, weshalb er gerne in den kommenden zwei Jahrzehnten auch ein Tropenhaus auf dem Gelände haben möchte. In denen sollen sich neben Reptilien wie Warane, Geckos und Krokodilen eben auch Insekten finden. „Ich bin ein großer Freund davon, Tiere in einem möglichst naturnahen Umfeld zu halten, also auch in Gesellschaft mit anderen, in ihrer Herkunftsregion heimischen Arten“, erklärt der aus Weimar stammende Neu-Halberstädter. Und so gehören für ihn in ein Tropenhaus eben auch Spinnen, Heuschrecken, Gottesanbeterin oder Fauchschaben. „Es gibt viele Insekten, die Geräusche machen, nicht nur die Grille. Und Insekten werden oft vernachlässigt, wenn es um den Erhalt der Artenvielfalt geht“, sagt Neubert. Zudem haben Insekten einen weiteren Vorteil – sie sind vergleichsweise klein, brauchen also keine hektargroßen Unterkünfte. Dass seine Leidenschaft für Insekten und Spinnen nicht jeder teilt, weiß Neubert. Und er weiß auch, wie wichtig es ist, als niedlich empfundene Tiere im Bestand zu haben. Deshalb soll die Erdmännchengruppe neu aufgebaut werden und umziehen in ein deutlich größeres Gehege. Das ist ein konkreter Plan für die kommenden Monate. Allerdings muss er dafür die Finanzierung organisieren. Der zweite Tiergartenlauf könnte helfen. Aufgrund der coronabedingten Einschränkungen überlege sein Team gerade, diesen Benefizlauf virtuell stattfinden zu lassen. Also jeder Teilnehmer läuft eine Strecke, für die dann Sponsoren eine Summe zahlen. Während das Erdmännchen-Gehege noch im Planungsstadium ist, sind die Arbeiten am neuen Gehege für die Präriehunde und Baumstachler bereits fast komplett beendet. Hier haben die Mitarbeiter des Stadt- und Landschaftspflegebetriebes geholfen, vieles andere machen die Mitarbeiter des Tiergartens auch in Eigenleistung, um Kosten zu sparen. Wobei die Hanglage in den Spiegelsbergen für Baupläne oft besondere Herausforderungen parat hält. Andererseits sind sie für Mähnenspringer oder Gorale, eine asiatische Ziegenart, gerade besonders gut geeignet. Letztere würde Neubert auch deshalb gern in den Bestand aufnehmen, weil sich die Halberstädter an europäischen und weltweiten Arterhaltungsprogrammen beteiligen wollen. So könne er sich auch sehr gut vorstellen, Varis und Kattas aus Madagaskar oder amerikanische Vielfraße in den Bestand aufzunehmen, ebenso südamerikanische Brillenbären, Krallenäffchen und afrikanische Klippschliefer, die wie Brillenpinguine, Beutelteufel oder Manule, eine kleine sehr puschlige Katzenart aus Zentralasien, im natürlichen Bestand bedroht sind. Auch Waldhunde und Rothunde oder Goldschakale kann sich Neubert in den Bereichen vorstellen, in denen jetzt die alte Dingodame lebt. Erweitert werden soll auch das Greifvogelhospital, um gesundete Greife besser auf die Wiederauswilderung vorbereiten zu können. Bei den Vogelvolieren wird sich auch einiges ändern, folgt das Team dem jetzt vorliegenden Konzept. So sollen wieder Pfaue in einem neu zu bauenden Gehege Platz finden. Selten in freier Wildbahn anzutreffende Birkhühner sollen ebenso wie Truthuhn oder Jagdfasane in einigen Jahren in Halberstadt Tiergarten zu finden sein, des Weiteren eine kleine Falknerei, in der vor allem Kauz- und Eulenarten gehalten werden. „Wir sind hier mitten im Wald, da brauchen wir keinen Adler“, sagt Neubert. Aber das ist, wie vieles, eben alles noch erst im Konzept niedergeschrieben. Dass es so umgesetzt wird, hält auch David Neubert für unwahrscheinlich. Schließlich ändern sich Anforderungen und Möglichkeiten immer wieder. Von den sehr engen Finanzmöglichkeiten mal ganz abgesehen. Zumindest der Erwerb der Tiere ist da unkritisch, denn meist geben Zoos überzählige Tiere kostenlos ab. „Egal, wie sich der Bestand und die Anlage hier in den nächsten Jahren auch entwickeln wird, unserem alten Motto werden treu bleiben“, verspricht Neubert. Und das lautet seit 60 Jahren: Näher am Tier.
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Drei Verletzte bei Promille-Unfall im Vorharz
Hedersleben (vs) l Drei Verletzte sind nach einem Unfall in der Gemeinde Selke-Aue im Vorharz ins Krankenhaus gebracht worden. Die Verursacherin der Kollision am Samstagmorgen, 30. Mai, war in ihrem Nissan alkoholisiert auf der Landesstraße 66 zwischen Hedersleben und Heteborn unterwegs. Das Auto der 58-jährigen Harzerin stieß laut Polizei um 8.28 Uhr mit einem entgegenkommenden Skoda aus Magdeburg zusammen. „Bei der Unfallaufnahme wurde Atemalkoholgeruch bei der Verursacherin wahrgenommen, ein Test ergab 1,31 Promille“, berichtet ein Sprecher des Harzreviers weiter. Die Nissan-Fahrerin musste eine Blutprobe abgeben. Gegen sie läuft nun ein Ermittlungsverfahren. Neben der 58-Jährigen wurden bei der Kollision zwei Kinder im Alter von acht und zwölf Jahren aus dem Skoda verletzt. Sie alle wurden ins Klinikum gebracht. „Die Unfallstelle war für etwa eine Stunde voll gesperrt“, heißt es abschließend im Polizeibericht.
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Harzer Club-Betreiber bangen um Existenz
Wernigerode/Osterwieck l Sie fühlen sich in der Corona-Krise vergessen. „Restaurants und Kneipen dürfen wieder öffnen, doch für uns fehlt jegliche Aussicht auf Besserung“, sagt Daniel Coo. Er betreibt zusammen mit Clint Montag den Club Ars Vivendi in Wernigerode. „Für Diskotheken gibt es nicht mal einen Tag X von der Landesregierung, ab dem wir wieder starten dürfen“, erläutert sein Geschäftspartner. Die Party-Lounge nahe des Bahnhofs der Harzer Schmalspurbahnen musste – wie alle Discos in Sachsen-Anhalt – Mitte März schließen. „Bis dahin lief das Jahr richtig gut – im Februar und März waren unsere Partys super besucht“, berichtet Coo. „Doch nun stehen wir seit zweieinhalb Monaten komplett ohne Einnahmen da und es ist nicht der Hauch einer Besserung in Sicht.“ Neben der Zeit für Umbauten im Club gibt es wenigstens einen Lichtblick für das Duo: „Die Soforthilfe, die wir beantragt haben, war rasend schnell da.“ Doch das Geld reiche gerade mal, um die laufenden Kosten für Strom, Wasser und GEMA-Gebühren zu zahlen. „Uns steht das Wasser bis zum Hals“, fasst Coo zusammen. Immerhin helfe die Wernigeröder Stadverwaltung den Disko-Betreibern bei Fragen, wo sie könne. „Für diese Unterstützung sind wir dankbar, nur von der Landesregierung kommt gar kein positives Signal.“ Ähnlich verzwickt sei die Situation beim Elmo-Klub: „Es stellt uns natürlich vor große Herausforderungen, wenn 100 Prozent der Einnahmen wegfallen. Das ist ein absolutes Desaster für diese gesamte Branche“, antwortet Robert Moelle vom Team des Tanztempels am Köhlerteich auf Volksstimme-Anfrage. Für die Zeit der Zwangspause setzen die Betreiber unter anderem auf ihren Facebook-Auftritt, um mit dem Partyvolk in Kontakt zu bleiben und nicht in Vergessenheit zu geraten. „Die Aktionen, wie zum Beispiel die Watchpartys oder die Support-Gutscheine, dienen in erster Linie dazu, um zu zeigen: Wir sind da“, erläutert Moelle. Umso mehr sehne auch das Elmo-Team den Neustart des Nachtlebens in der ehemaligen Fabrikhalle herbei: „Wir benötigen keine Vorbereitungszeit. Wenn wir morgen wieder aufmachen könnten, sind wir bereit.“ Im Eventwerk in Osterwieck ist man unterdessen froh, nicht allein auf Partys angewiesen zu sein. „Wir sind breiter aufgestellt – von Comedy- und Musikveranstaltungen über Hochzeiten bis hin zum Darts-Verein, der das ehemalige Elektrizitätswerk als Trainings- und Spielstätte nutzt“, erläutert Geschäftsführer Malte Theuerkauf. Dennoch habe er alle bis Mitte Juni geplanten Veranstaltungen verschieben müssen – wie die achte Auflage der Osterwiecker Kneipennacht, die nun auf den 26. September verlegt wurde. Dennoch ist Theuerkauf optimistisch, demnächst „mit kleineren Geschichten wie Grillkursen“ wieder starten zu dürfen. „Derzeit arbeiten wir an einem Abstands- und Hygienekonzept dafür und sind im Austausch mit dem Gesundheitsamt der Kreisverwaltung.“ Der Juni werde ein Monat des Testens, was schon wieder möglich sei, danach hoffe der Eventwerk-Betreiber auf einen „weitestgehend normalen Juli“. Fest steht für ihn aber auch: „Wenn wir größere Rückschläge, etwa eine zweite Infektionswelle mit erneutem totalen Stillstand wie seit März, erleben, können wir wohl alle einpacken.“ Hintergrund: Clubs und Discos gelten vielen Experten als Infektionsherde: Menschenmengen, dicht aneinander gedrängt und schwitzend auf der Tanzfläche, böten dem Coronavirus perfekte Bedingunen zur Ausbreitung. So musste die südkoreanische Hauptstadt Seoul im Mai alle Nachtclubs nach der Wiedereröffnung erneut schließen. Grund war ein Partygänger mit unerkannter Infektion, der mehrere Gäste ansteckte. Dennoch sei bei den Harzern die Sehnsucht nach Feiern zu spüren, berichtet Clint Montag: „Fast täglich erreichen uns E-Mails und Anrufe mit Fragen, wann es endlich wieder losgeht.“
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Wenn die Angst zum Problem wird
Halberstadt l Das Besuchsverbot in Krankenhäusern ist aufgehoben – ist damit alles wieder wie vor Corona? Im Interview mit Volksstimme-Redakteurin Sandra Reulecke berichtet Prof. Dr. Klaus Begall, ärztlicher Direktor im Ameos-Klinikum Halberstadt, wie sich Angehörige verhalten müssen, wenn sie Patienten besuchen wollen. Volksstimme: Herr Prof. Dr. Begall, nun dürfen Patienten wieder Besuch empfangen. Was müssen die Gäste beachten? Prof. Dr. Begall: Die sechste Pandemie-Verordnung schreibt das sehr konkret vor: Jeder Patient darf Besuch von einer Person am Tag für eine Stunde erhalten. Die Besucher müssen mindestens 16 Jahre alt, sich zunächst an der Rezeption melden und dort eine Checkliste ausfüllen. Darin werden sie unter anderem befragt, ob sie coronatypische Symptome haben. Erst, wenn sie nach der Kontrolle der Checkliste das Okay erhalten, dürfen sie zu den Patienten. Zudem erhalten sie eine Besucherkarte, um sich im Haus ausweisen zu können, dass sie die Erlaubnis haben, sich hier aufzuhalten. Eine medizinische Mund-Nasen-Maske ist Pflicht, ebenso 1,5 Meter Abstand zu halten – auch zu den Patienten. Händewaschen und -desinfizieren sind ebenfalls Voraussetzung. Jeder Besucher wird zudem dokumentiert. Gibt es Ausnahmen von diesen noch immer strengen Regeln? Ja, wenn Kinder als Patienten im Krankenhaus liegen, Schwerstkranke oder wenn es um die Begleitung am Lebensende geht. Dann sind auch längere Besuche gestattet und, wenn auch nicht gleichzeitig, von mehr als einer Person. Wie das dann abläuft, muss im Einzelfall entschieden werden. Wie haben Patienten und Angehörige auf das bisher geltende Besuchsverbot reagiert? Mir sind zwar wenige negative Reaktionen oder Äußerungen bekannt, aber die meisten Besucher und auch die Patienten haben Verständnis für diese besondere Situation gezeigt. Man darf dabei auch nicht außer Acht lassen, dass die meisten Patienten eine Verweildauer von nur drei, vier Tagen haben. Trotzdem werden sich jetzt viele freuen, dass wieder Besuche stattfinden dürfen. Es ist auch wichtig für den Heilungsprozess, dass Patienten Besuch haben. Befürchten Sie eine Ausbreitung des Virus aufgrund der Lockerungen, insbesondere für Krankenhäuser? Die Lockerungen für Krankenhäuser sind mit Augenmaß gemacht worden. Wir sind in einem lernenden Prozess, man kann nicht in einem Lehrbuch nachschlagen, was zu tun ist. Aber wenn sich alle – Patienten, Angehörige und Mitarbeiter – an die Vorgaben halten, wird das kein Problem sein. Ich bin sehr optimistisch, dass alles eingehalten wird. Man muss auch auf den gesunden Menschenverstand vertrauen. Wie ist die Stimmung unter den Mitarbeitern hinsichtlich des Coronavirus? Man muss beachten, dass wir seit über einer Woche keinen Patienten mehr mit Corona im Haus hatten. Es gibt immer die Gefahr, dass wieder ein Fall kommen kann. Dessen sind sich auch die Mitarbeiter bewusst und handeln dementsprechend. Sie gehen mit Respekt, aber ohne Angst an die Arbeit. Sie sind motiviert. Und wie ist es bei den Patienten? Haben Sie den Eindruck, dass bei denen die Verunsicherung noch sehr hoch ist? Werden also noch viele verschiebbare Untersuchungen, Behandlungen und Operationen abgesagt? Ja, es ist uns, die wir im Gesundheitswesen arbeiten, ein Bedürfnis an diese Menschen zu appellieren, in Zeiten von Corona andere Erkrankungen nicht zu vergessen. Deutschland verfügt eigentlich über ein sehr gutes Gesundheitssystem. Viele Krankheiten können früh erkannt und behandelt werden. Doch seit Corona verzeichnen insbesondere die niedergelassenen Ärzte einen deutlichen Patientenrückgang. Die Folgen davon sind oftmals schlimmer als die von Corona. Denn wenn die Leute aus Angst nicht zum Arzt gehen, obwohl sie sich nicht gut fühlen, werden Behandlungen verzögert. Wir müssen also mit schwereren Krankheitsverläufen rechnen, die vermeidbar wären. Es bringt uns nichts, wenn wir Corona in den Griff bekommen und die Menschen zum Beispiel an einem Herzinfarkt sterben, weil sie das Stechen in der Brust seit Wochen ignorieren. Wie viele Stationen werden aktuell noch für Corona-Patienten bereitgehalten? Wir haben zwei vorbereitet, von denen wir bisher aber nur eine benötigt haben. Auf der Intensivstation werden ebenfalls und weiterhin Bereiche freigehalten für Patienten, die beatmet werden müssen. Die Kapazität reicht aus, sofern nicht 50 Corona-Infizierte auf einmal kommen. Wie viele Covid-19-Patienten wurden bisher im Halberstädter Ameos-Klinikum behandelt? Wir haben fünf bis acht Patienten pro Woche, bei denen der Verdacht besteht, der sich jedoch meist nach der Testung als negativ heraus stellte. Bis das Testergebnis feststeht, werden sie isoliert. Insgesamt waren es acht bis zehn Patienten, die tatsächlich infiziert waren. Rechnen Sie generell mit einer zweiten Corona-Krankheitswelle? Gute Frage, Wellen gibt es in unterschiedlichen Höhen, es gibt große und kleine. Aber ich denke, wenn die Lockerungen mit Bedacht stattfinden und sich jeder an die Hygieneregeln hält, kommt es vielleicht zu einem Anstieg, aber zu keinem großen. Wir müssen lernen, mit Corona zu leben wie wir es auch mit anderen Viren und Krankheiten tun.
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